Portrait von Dättwil
(Fortsetzung )
Vier Höfe schreiben Geschichte
Dättwil entwickelt sich seit dem Ende des ersten Jahrtausends um den Dättwil-Hof. Das imposante Hauptgebäude im Dorfkern steht auch heute noch. Drei weitere Einzelhöfe zählen zu Dättwil: im Dorf das Gut Hochstross (heute Wohnsiedlung Pilgerhof und zeka-Wohnhaus), im Unterhof der Hofstätten-Hof im Bereich des heutigen Baregg-Centers (1966 neben weiteren Wohnhäusern dem Bau der Autobahn zum Opfer gefallen) und in der Höhe der Segelhof, bereits 1873 abgebaut.
Wichtige Verkehrswege durch Dättwil
Wer aus dem Elsass nach Einsiedeln pilgerte, wanderte durch Dättwil. Diese Pilgerroute wurde wohl auch benützt als Teil des Jakobsweges nach Santiago de Compostela. Die Entstehung dieser Routen fällt in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts. An die Pilgerzeit erinnert der Strassenname Pilgerstrasse; die damalige Pilgerroute führte aber über HochstrasseDorfstrasseStationsweg.
Die sog. Grande Route de Berne à Zurich, bereits 1667 bekannt, führte am Rande des Dorfes vorbei (heute Teil der Sommerhaldenstrasse); 1866 wird an dieser Route die Wirtschaft «Pinte» erbaut.
1877 stellt die neu erbaute Nationalbahn Weichen in Dättwil. Kurz danach wird hier die Wirtschaft «Täfern» eröffnet. Die Bahnlinie wird heute für den Personenverkehr nicht mehr benützt.
Galgenmatt und Dingstätte
Seit dem 12. Jahrhundert hat Dättwil eine Bedeutung als Dingstätte. Hier stand der Galgen der Grafschaft Baden. Flurbezeichnungen wie Galgenmatt und Galgenbuck weisen noch heute auf den Galgen hin. Im beliebten Grüngürtel ist eine grosse Siedlung geplant.
Unruhige Zeiten
Im 14. Jahrhundert wehren sich die Eidgenossen gegen die erneute Einflussnahme der Habsburger. In der Schlacht bei Dättwil (1351) gegen die Österreicher erleiden die Zürcher grosse Verluste.
Der Zweite Villmergerkrieg (1712) und der Vierte Landfriede (1718) ändern die konfessionellen Verhältnisse. Die Vormachtstellung der katholischen Orte ist beendet. 1740 werden auf dem Dättwil-Hof und auf dem Hofstätten-Hof die zwei reformierten Familien Obrist und Renold aus dem reformierten Berner Aargau sesshaft die Grafschaft Baden ist sonst katholisch.
Eine politische Gemeinde aus drei Dörfern
1805 entsteht auf Wunsch der neuen Aargauer Regierung aus den drei geografisch isolierten Bauerndörfern Dättwil, Rütihof und Münzlishausen die politische Gemeinde Dättwil (zusammen 229 Einwohnerinnen und Einwohner). Das Gemeindehaus wird 1821 in Dättwil erbaut und dient auch als Schulhaus (ab 1982 Kindergarten). Jede Ortschaft errichtet aber z. B. eigene Schulen; der Kontakt ist nur formell. In einer Volksabstimmung im Jahre 1961 wird die Eingemeindung der drei Ortschaften zu Baden beschlossen. Baden bekommt dadurch an verkehrgünstiger Lage und in unmittelbarer Nachbarschaft eine attraktive Landreserve im Grünen. Und einen geschichtsträchtigen Stadtteil mit aktivem Vereinsleben.
Mit der Eingemeindung wird eine rasante Entwicklung eingeleitet. Die festverwurzelte ältere Bevölkerung muss sich an viel Neues gewöhnen. Und die neue Bevölkerung fasst Fuss, indem sie Vergangenes kennenlernt.
Ein Wort zum Ortsnamen
Der Begründer von Dättwil muss Dado oder Dato, evtl. Dedo oder Deto, geheissen haben. Das althochdeutsche -WIL geht nach übereinstimmender Ansicht aus der Ortsnamenforschung auf das (spät)lateinische VILLA zurück, neben welchem althochdeutsch WILARE (> Weiler) steht; ererbt-alemannisch ist es nicht.
Weitere Beispiele von Ortschaften mit diesem Personennamen die Schreibweise ist aus linguistischer Sicht belanglos: Dätwil ZH, Dettighofen TG. Mit Verkleinerungsform des Namens: Dättlikon ZH.
Für weiterführende Informationen verweisen wir auf die Dättwiler Dokumente. Chronikgruppe Dättwil, Dezember 2009